Gedichte

Sohn und Vater

Du hieltest mich an deiner Hand,
die manchmal streng und manchmal zart,
fast wie ein schützendes Gewand
vor manchem Kummer mich bewahrt.

Du wirktest groß und stark und heiter
und warst mein Held in jenen Tagen!
Du zogst mich über Gräben weiter –
du konntest trösten mich und tragen.

Doch später, als wir beide älter,
da fand ich dich nicht mehr allmächtig!
Da wurde das Verhältnis kälter –
und neue Helden strahlten kräftig.

Bis schließlich du entschieden matter
mir schienst, wie ein vergilbter Held.
Selbst deine Reden als Geschnatter
mir klangen, in der neuen Welt.

Inzwischen halt ich einen Kleinen,
den eignen Sohn, an meiner Hand.
Doch neuerdings, so will mir scheinen,
ragt auch dein Schatten an der Wand.

Der wirkt so groß und stark und heiter,
fast wie ein Held aus alten Tagen!
Mein Kind sieht mich, doch ich seh weiter,
dein Vorbild hilft mir, es zu tragen.

J. A.