Erzählungen

Winterspaziergang im Moor

Entwässerungsgraben im Moor – Foto Wikipedia

Die Umrisse des Waldes verflüchtigen sich im Nebel. Die gefrorenen Gräser brechen unter meinen Stiefeln und über der schwarzen Erde glitzern Eisnadeln. Wie weißer Atem weht es über die Kronen der Erlen bis in den Himmel hinauf. Wo eine mattgelbe Sonnenscheibe nur zur Hälfte aus den Nebelwolken ragt.

Hinter dem Moorgraben ertönt plötzlich ein hundert-stimmiges schwirrendes Gebimmel wie von unzähligen kleinen verstimmten Christbaum-Glöckchen. Es kommt aus einem kahlen Strauchwerk, hinter dem pechschwarz glänzenden Wasser eines Moorgrabens. Winzige graue Vögel hüpfen dort in den Zweigen auf und nieder. Sie merken nicht, dass sie aus der Höhe einer Birkenkrone von einem riesigen Raubvogel beobachtet werden. Welchen dieser kleinen Schreier wird der Habicht wohl erwischen? Wen wird er sich holen? Endlich scheinen die Vögel die Gefahr zu spüren; denn auf einmal ist es totenstill. Schon rückt der Habicht seine hohen Schultern zurecht, senkt den Kopf mit dem scharfen Schnabel, gleich wird er zustoßen!

Da trottet träge mein guter alter Hund an die Birke heran, bemerkt nicht die Spannung, in die er da soeben hinein geraten ist. Er dreht sich zu dem Busch und bellt unlustig mehrmals hinauf. Sofort fängt der Strauch wieder an zu leben. Alle Vögel plärren aufgeregt durcheinander. Und nur  der Habicht erhebt sich lässig aus seiner Birke, um dann in einem weiten Bogen in die verblassende Abendröte hinein zu schweben. Während die unruhigen kleinen Vögel als klingende  Wolke in die andere Richtung stieben. Unter der Holzbrücke platschen noch zwei aufgeschreckte Enten aus dem schwarzen Wasser auf. Und am Himmel ist jetzt auch schon ein durchsichtiger weißer Mond zu erkennen, während sich zwischen den letzten Nebelfetzen noch einmal eine leuchtend rote Sonnenscheibe zeigt.

Unbeeindruckt tappst der Hund wieder zu mir zurück…

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