Gedanken Gedichte Reiseberichte Sonstiges

Noch ein Gedicht aus dem Fundus

Und in dem Schneegebirge

da fließt ein Brünnlein kalt.

Und wer das Brünnlein trinket,

bleibt jung und wird nicht alt…

(Lied aus dem Altvatergebirge)

 

Für meine mährische Mutter

 

Schon immer waren Emigranten,

die, welche „von-wo-weg-Gebannten“.

Mit „Sack und Pack“ * müssen sie raus –

aus Heimatland und Elternhaus.

 

Doch wollen wir nicht weiter grübeln

und altes Leid nicht mehr verübeln.

Wie uns das Leben manchmal lehrt,

wird manches Leid von selbst bekehrt

und das, was unerträglich schien

geriet sogar zum Neubeginn!

 

Denn, wie der Samen einer Blume

der selbst in ferner Ackerkrume

noch spießt und wächst und Blüte zeigt,

bevor er weiter sich verzweigt,

um neue Früchte einst zu bringen,

so lag in euch auch „das Gelingen“.

Es war die gleiche Kraft, die jene

vor euch schon hatten, dessen Gene

uns zwar verwandt, doch die hienieden

schon lange, lange weggeschieden.

Als Pioniere, deren Hände

dereinst besiegten das Gelände,

zu roden Wälder, zu erschließen

die Erde, wo jetzt Halme sprießen.

 

Doch gab’s daneben in den Bergen,

für jene Menschen, außer Zwergen,

noch Geister, Elfen und gar Hexen

und in den Bächen Wassernixen!

(Das sind die Frauen, die sich mischen

zum Teil aus Menschen, teils aus Fischen.)

Und aus des höchsten Berges Schoß

entstieg der Berggeist riesengroß,

zu herrschen über Elf und Mar –

und auch der Menschen kleine Schar:

Altvater wurde er genannt,

der Geister – König in dem Land!

 

Es rinnt ein Brünnlein**, wunderbar

mit Wasser, welches kalt und klar,

das aus den Höhen niedergleitet,

wo er durch seine Berge schreitet.

Es dienen Zwerge, Elfen, Ahnen

be“geistert“ ihm als Untertanen.

 

Wer ehrlich fromm und treu sich zeigte

und sich nicht gleich dem Schicksal beugte,

wer manchmal etwas stur auch war,

den Kopf behielt stets in Gefahr,

wer mithalf, ohne viel zu fragen,

wer andrer Meinung konnt‘ ertragen,

wer gerne sang und gerne lachte,

und, wenn es nötig war, auch dachte.

Wer nicht verschmähte Speis und Trunk

und auch im Alter blieb noch jung,

den konnte man daran erkennen,

der durfte sich Nordmährer nennen!

Ihm hatte, von dem Quell zum Leben

der Berggeist einen Trank gegeben!

 

Egal, in welches Herren Land

der Untertan sich dann befand,

von welchen Menschen er umgeben,

in welcher Zeit er sollte leben.

Ein jeder nahm, zu seinem Glück,

die Kraft aus dieser Quelle mit.

Sechs Schlucke „Ahnen“ – und Kultur,

ein Sprudelbad von Frohnatur,

dazu noch Treu und Ehrlichkeit,

ein gutes Wort, zur rechten Zeit.

(Selbst im geliebten Ehejoch,

kommt dieses immer wieder hoch.)

 

Denn, wie der Samen einer Blume,

der selbst in fernster Ackerkrume

noch sprießt und wächst und Blüten zeigt,

und immer weiter sich verzweigt…

So gibt ein echter Mährer weiter,

nicht nur den Quell der Gene Leiter.

Selbst mancher, der dich näher kannte,

sich schließlich selbst fast „Mährer“ nannte,

weil deines langen Lebens Saat,

gedieh für ihn zum „Prädikat“!

 

Als Dankesgruß, aus Mährens Norden,

nimm, Mutti, diese Stein*** als „Orden“!

Ich hob ihn auf, gleich unterm Wipfel,

als ich bestieg des Berges Gipfel!

 

 

* Es war aber nur ein Rucksack

** Das Heidebrünnl?

*** Der Stein stammte von einer Reise nach Nordmähren und

ins Altvatergebirge

Altvatergebirge heißt heute auf tschechisch Hrubý Jeseník

Altvater 1492 m – tschechisch Praděd ist der höchste Berg

Mährens.

 

Zu Muttis Geburtstag am 21. 03. 2000

J. A.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.