Toleranz
Ja, Toleranz ist schwierig zu erstreben,
man muss da eine Schwelle überspringen,
muss seine Überzeugung seitwärts legen,
vorübergehend mit sich selber ringen.
Man sollte nicht gleich heftig reagieren,
wenn einer fremde Thesen keck verbreitet.
Man könnte ja auch offen diskutieren,
um zu erfahren, was ihn dazu leitet?
Und, bin ich sicher, dass ich selber richtig
in dem Diskurs mit meiner Meinung liege,
kann ich vemuten, dass sie – längersichtig
sich selbst bestätigend am Ende siege!
J. A.

Ein Engel von Brockeler Kindern gebastelt
Endlich mal jemand, der klug auf den Punkt bringt, dass Toleranz für eine andere ungeliebte Ansicht eigentlich harte Arbeit ist. Toleranz gegenüber meiner eigenen Meinung kann ich leicht einfordern. Das geht ja ganz locker, aber zuhören und ruhig bleiben und u.U. etwas tolerieren was mir seltsam scheint, das ist doch die Kunst. Wir lernen alle ein Leben lang. Vielen Dank für das wirklich treffende Gedicht!
Herzlichen Dank, das freut mich sehr, dass mein Gedicht so gut überkommt! Ja, Toleranz gehört sicher mit zu den schwierigsten aber auch zu den wichtigsten Verhaltensweisen in jeder guten zwischenmenschlichen Beziehung.
J. A.
Ja, Toleranz zu üben, das ist nicht leicht. Wieder ein gutes Gedicht, gefällt mir.
Das stimmt, Toleranz fällt manchmal sehr schwer! Toleranz hängt im besten Fall auch mit Respekt zusammen.
Vielen Dank, Reinhold!
J. A.
Es gibt ein gutes Beispiel in der Literatur, welchen Schaden starre Rechthaberei und fehlende Toleranz anrichten können. J.W. von Goethe berichtet in seinen Kindheitserinnerungen „Aus meinem Leben – Dichtung und Wahrheit!“ davon.
Johann Wolfgang und seine Schwester, Kornelia, lebten mit den Eltern in einem schönen alten Fachwerkhaus am Hirschgraben zu Frankfurt am Main. Weil das Haus aber keinen Garten hatte, besuchten die Kinder häufig ihre Großeltern in der nahen Friedberger Gasse. Dort durften sie in einem großen Garten spielen und von den Beerensträuchern naschen und manchmal auch den Großvater in seinen Pfirsichhain begleiten.
Diese unbeschwerten Begegnungen brachen jedoch im Jahr 1756 plötzlich ab. Der Grund war, dass der Preußenkönig Friedrich II. – ohne Kriegserklärung – mit 60 000 Mann in Sachsen einfiel und auch Dresden besetzte. Sein Verhalten empörte den Großvater Textor, der Maria Theresia verehrte, während Vater Goethe Friedrichs Schachzug bewunderte. So kam es, obwohl die freie Reichsstadt selbst gar nicht betroffen war, zu heftigen Diskussionen und bösen Worten zwischen den beiden Familien. „Man stritt, man überwarf sich, man schwieg, man brach los….“ Zit. Goethe
Und wenn sie sich später zufällig in der Stadt trafen, schimpften sie immer noch – oder gingen auf die andere Straßenseite.