Leo Slezak – Briefe eines besorgten Vaters
Zahlreiche Legenden ranken sich um den Opernsänger Leo Slezak, einen der berühmtesten Tenöre des 19. und 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur seine Stimme hat ihn berühmt gemacht, sondern auch sein köstlicher Humor in seinen Büchern.
Das vorliegende Werk ist völlig anders! Es ist ein erschütterndes Dokument in Briefen über die Not und Angst einer machtlosen Generation im Nazistaat von 1933/34 bis zum bitteren Ende 1946! Authentischer als in jeder Biografie, lesen wir aus den Briefen an seinen in den USA lebenden Sohn, Walter, wie es den Menschen wirklich ging: „Nur bitte, mein Kind, schreibe nichts Politisches!“
Gab es zu Beginn vielleicht noch Hoffnung, dass alles bald wieder in Ordnung käme, so merkte man schon bald nach dem österreichischen „Anschluss an das Deutsche Reich“ einen neuen Ton in den Ämtern und Theatern. Kollegen wurden entlassen, weil sie jüdisch waren. Bücher mussten umgeschrieben werden, um Namen zu entfernen. Es sind verzweifelte Briefe, die der alternde Vater oft in verschlüsselter Form nur schreiben kann. Manchmal schickt er die Post über die Schweiz nach New York – und wenn er etwas Gefährliches mitteilen will, benutzt er Alias Namen wie „Wastl“ oder „Ali Baba“ für Hitler, wegen der 40 Räuber – oder „Florestan“, den Gefangenen aus Beethovens Oper Fidelio für seine verhafteten Freunde. Wo er kann, setzt er sich mit seinem bekannten Namen für jüdische Kollegen und Freunde ein, aber auch das wird immer schwieriger und ständige Angst begleitet die Menschen.
J. A.

Leo Slezak – auch Slezák geschrieben, ist 1873 in Mährisch – Schönberg /Mähren geboren und 1946 in Egern am Tegernsee gestorben. Die meiste Zeit seines Lebens hat er in Wien verbracht.
Mit seiner geliebten jüdischen Frau, der Schauspielerin Elsa Wertheim, blieb er trotz massiven Drucks der Naziregierung, ein Leben lang verheiratet.
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