Naftali, der Geschichtenerzähler
Zitat „Was ist schon das Leben? Die Zukunft ist noch nicht da und man kann nicht voraussehen, was sie bringen wird. Die Gegenwart ist nur ein Augenblick und die Vergangenheit eine lange Geschichte. Wer keine Geschichten erzählt und keine Geschichten hört, lebt nur für diesen Augenblick, und das ist nicht genug.“ Isaac B. Singer
Nicht nur im fernen Morgenland gab es diese wunderbaren Geschichtenerzähler, sondern auch in Polen und in vielen anderen Gebieten, vor allem im östlichen Judentum.
Da ist zum Beispiel die Geschichte von Naftali, der schon als kleiner Junge alle Berichte der Erwachsenen so intensiv aufnimmt, als würde er sie selbst erleben. Mit einem Pferdekarren voller Bücher zieht er später durch die Landschaften, erzählt seine Geschichten und verkauft seine Bücher. In allen jüdischen Gemeinden ist er gern gesehen und wird gut aufgenommen. Oft laden ihn seine Zuhörer auch zum Essen oder zum Übernachten ein. Und immer wieder erfährt er dadurch neue Geschichten.
Insgesamt sind es 8 Erzählungen, die Singer in sein Buch aufgenommen hat. Kurzgeschichten oder Schwänke voll Humor und Weisheit. Nur am Schluss steht eine Erzählung, in der Singer vermutlich seine eigene Geschichte erzählt. Wie er als kleiner Warschauer Rabbinersohn schon träumt, einmal ein großer Schriftsteller zu werden und sich bereits alles mögliche dazu ausmalt. Auch wenn sich diese kindlichen Träume damals nicht verwirklichen ließen, so kann man doch ahnen, dass aus dem phantasievollen Jungen einst der bekannte jiddische Schriftsteller Isaac B. Singer werden wird.
J. A.

Isaak Bashevis Singer wurde 1904 in Polen geboren und starb 1991 in Florida. 1978 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
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