Gedichte

Muttis Geburtstag

Am Gutshof stand ein alter Bau,
mit Säulen, Türmchen, weiß und grau:
„Die Villa“, wurde er genannt,
mit einem Park voll Baumbestand.
Dort lebten, dicht an unsrer Seite –
ganz unterschiedlich nette Leute.
Im Hinterbau war unsre Wohnung,
die Größe schien uns als Belohnung,
nachdem wir sonst ja so beengt
uns immer hatten nur gedrängt.
(Oft träume ich, wir würden ziehn
noch einmal zu der Wohnung hin –
und würden finde
die alten Linden
mit unsren Aussichts-Sitzen drin.)
Es war die Zeit der großen Wende.
Denn alle Not ging nun zu Ende,
nachdem dem Vati man gegeben
die Arbeit für das Geld zum Leben.
So fuhr er nun, bei Schnee und Dreck
mit seinem Fahrrad morgens weg
zu zeichnen für den Zweckverband
die Quellen ein, die dort bekannt.
Dazu die Kabel und die Rohre,
damit man jene nicht durchbohre.
Die Mutti werkelte im Garten
und wollte nie so lange warten,
bis das, was sie so fleißig goß
am Ende von alleine sproß.

Sie hob drum hoch die braune Erde
zu sehen ob was keimen werde…
Ein Glück, dass sie bei ihren Rangen
nicht auch zu Graben angefangen,
um die Entwicklung zu beschleunigen.
Hier kann man ihr Geduld bescheinigen –
und auch Vertrauen, dass gedeih,
was noch in uns verborgen sei!

Die Mutti!

Am Fuß des Altvaters geboren,
die alte Heimat zwar verloren,
als dritte Schwester von sechs Kleinen,
das „stillste Kind“ schien sie zu scheinen…
Bescheiden, lieb, doch manchmal kraus
so sah man sie im Bäckerhaus.
Ein Haus voll Kinder, voller Gäste
mit viel Musik bei manchem Feste.
Theater spielt‘ Ihr auf den Tennen,
wo neben Gänsen, neben Hennen
sich auftat ein „Theatersaal“
bei eurem „Sommer-Festival“.
Man gab nicht grad den Lohengrin,
doch war die Spreewaldmaid schon drin.
Und statt des Schwanes Abgesang
ein etwas leichter Lied erklang:

„Du reizendes Kindchen, du Spreewaldmädel mein,
ein Kuuuuß auf dein Mündchen“…
(Man möge mir verzeihn!)
Bei Hansi kam das Küssen später.
Bewerber werden keine Täter,
wenn man den Freier nicht erhört,
den man durch seinen Charme betört!
Erst lange nach den Kinderjahren,
wurd sie beim Küssen auch erfahren.
Um schließlch gar sich zu vermählen
mit einem alten Junggesellen,
der niemals sich fest binden wollte,
weil er nie machte, was er sollte!

Genug, die Ehe war sehr glücklich
und alles, was man tat war schicklich.
Wir Kinder hatten gute Tage,
trotz aller Not und mancher Plage,
die ich erwähnt im ersten Teil,
war unser Leben schön und heil!
Dies ist der Liebe zu verdanken,
die sich um unser Nest tat ranken,
um schützend, bergend abzudecken
des bösen Krieges Not und Schrecken.
Drum wurden wir viel reicher groß
als mancher Prinz auf seinem Schloß.
Und sind von Herzen dankbar heut‘
für diese schöne Kinderzeit!
Auch, dass die Eltern es geschafft
ein Haus zu baun – mit eigner Kraft,
damit wir doch, in fernen Landen,
ein Stückchen von der Heimat fanden.

Als dann die Kinder aus dem Haus,
zogt ihr mit Eurem Fiat aus
zu finden, was schon Homer fand
im schönen, alten Griechenland.
Sogar, um immer mehr zu sehen,
Ihr kurvtet durch die Pyrenäen.
Von Frankreich bis nach Gilbratar
warst du mit Zelt und Vati da!
Doch auch die Alpen vor der Tür
bewundert- und erwandert Ihr!
Deshalb ist es uns allen klar,
wie glücklich doch das Schicksal war,
dass Ihr, dereinsten zwar vertrieben,
im Alpenvorland seid geblieben.
Wo man bereits bei starkem Föhn
aus Frohnloh kann die Berge sehen.

Hier will ich schließen nun, für heute,
denn zuviel Reim macht wenig Freude.
Wir danken Dir auch heute noch –
und rufen „Mutti lebe hoch“!

(Zum 101. Geburtstag.)