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Der Wetterprophet – zu einem Gedicht von Max Hayek

Der Wetterprophet.

Ja, da sitzt er hübsch im Glase

Und es schnuppert seine Nase:

Wird es regnen? Bleibt es schön?

Schwer ist das vorauszusehn!“

Doch ihn juckt die linke Zehe,

Auch der -Kopf bereitet wehe!

Das bedeutet: „Nicht mehr weit

Ist nun eine Regenzeit!“

Doch der feuchte, grüne Wicht

Denkt: „Nein, höher steig‘ ich nicht!“

Und wir haben zu verstehn:

Teils wird’s regnen, teils bleibt’s schön!“

Max Hayek *

 

An den Wetterpropheten.  

Ach du kleiner Kerl im Glase,

wie ich dich bewundern kann!

Mit der feinen Lurchen-Nase

kündest du das Wetter an.

Kannst uns fast prophetisch sagen:

Regenkleidung ist zu tragen!

 

In dem Fall sind mir Propheten

als Berater stets erbeten.

Falls sie sich ans Wetter wagen –

und uns nicht in Panik jagen

über Spökenkiekerei,

dass die Welt verloren sei.

Denn dann wär es angenehm,

lieber nichts voraus-zu-sehn!

J. A.

Jakobs Traum

von Katja Hellmich

 

* Ich bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Olaf Hantl für den Hinweis auf das reizende Gedicht von Max Hayek

2 Kommentare

  1. „Kennst du die Blassen im Heideland,
    mit blonden, flächsenen Haaren?
    Mit Augen so klar, wie an Weihers Rand.
    Die Blitze der Welle fahren?
    Oh, sprich ein Gebet, inbrünstig echt,
    für die Seher der Nacht, das gequälte Geschlecht.“

    Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

    >>Diese begnadete Dichterin aus dem Münsterland gibt uns in ihrem Werk „Bilder aus Westfalen“ einen Blick über das Phänomen des „Spökenkiekers“ – des Zweiten Gesichtes.<< (wiki)

    Ich lese 'Spökenkieker' und denke an einen Propheten namens Jesus.

    Echt jetzt? Ne, ich denk' an meine Wetterfühligkeit, die mir immer einen Tag vorher, mit Kopfschmerzen, einen Wetterwechsel anzeigt. ⛅ ☁️

    Liebe Frau Amthor, dieser Kommentar und der beigefügte Webseiten-Link ist für Sie und für den Fall, dass Sie den ganzen Text spökenkieken möchten. Herzliche Grüße, O. H.

    • Lieber O. H. das wundervolle Gedicht von Annette von Droste – Hülshoff beschreibt die Spökenkiekerei tatsächlich auf eine düster-schöne Weise. Man bekommt sogar leichte Gänsehaut, wenn man es liest. Ob man jedoch einen Religionsstifter als Heiligen oder Propheten oder als Spökenkieker ansieht, liegt wohl am eigenen Standpunkt. Wenn ein „Spökenkieker“ wie Jesus Ethik und Menschenliebe verkünden würde, dann wünschte ich mir viele Spökenkieker. Aber Ihre Wetterfühligkeit kenne ich aus München, wo manche Menschen bei Föhn auch regelmäßig Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme bekommen. Das ist nicht so angenehm. Vielen Dank für Ihre anregenden Gedanken! J. A.

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