Von Johanna Amthor, 2012 überarbeitet von Joachim Amthor

Der Name Bothel bedeutet soviel wie „kleine Siedlung“

Die Gemeinde Bothel liegt in der dünn besiedelten Wümmeniederung im Landkreis Rotenburg (Wümme), die ihrerseits Teil der Naturlandschaft „Stader Geest“ im Nordosten Niedersachsens ist.

Bunckes Hoff

Elisabeths Bauerngarten

Lieschens Hoff

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einwohner

Heute hat der Ort über 2450 Einwohner. Nach Bothel kamen, so wie überall in Niedersachsen, nach 1945 viele Flüchtlinge aus Schlesien, West- und Ostpreußen, Pommern, Bessarabien und der Tschechoslowakei. Andere Familien sind aus den Städten Rotenburg, Bremen, Hamburg oder aus anderen Regionen Deutschlands zugezogen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen außerdem viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion und aus Polen, so dass Bothels Einwohnerschaft neben den alteingesessenen Familien heute zu einem großen Teil aus Zugezogenen besteht.

Politische Geschichte der Region

1226 wird Bothel bereits urkundlich erwähnt.  Politisch wechselte es häufiger seine Zugehörigkeit. Lange gehörte es zu Gebieten, die dynastisch mit anderen, größeren Ländern verbunden waren.

Zur Zeit Karls des Großen, gehörte das Gebiet Bothels zum altsächsischen „Sturmigau“, wobei die alten Sachsen nichts mit dem heutigen Freistaat Sachsen zu tun hatten, sondern eher mit dem Gebiet des Bundeslandes Niedersachsen. Nach der Ausbreitung des Christentums wurde aus dem Sturmigau das Stift Verden. Das war das Gebiet, das der Verdener Bischof neben seinem Bistum als weltlichen Besitz unterhielt. Als die Reformation sich in der Gegend durchsetzte, wurde aus dem katholischen Stift Verden das evangelisch-lutherische Herzogtum Verden, das schließlich nach dem Dreißigjährigen Krieg gemeinsam mit dem Großherzogtum Bremen, zu dem übrigens die namensgebende Hansestadt Bremen selbst nicht gehörte, vom Schwedischen König regiert wurde.

Ende des 18, Jahrhunderts gelangte das von Schweden vernachlässigte Gebiet zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (umgangssprachlich „Kurhannover), einem ebenso vernachlässigten Land, das dynastisch mit dem Britischen Weltreich verbunden war. Der an dem Gebiet uninteressierte Monarch regierte in London, während in diesem auf dem Festland gelegenen, mitregierten Land eine altmodische und schwerfällige Verwaltung aus Landständen und Ritterversammlungen die eigentliche Macht hatte. Die formale Verbindung zwischen dem Monarchen und dem Land hielt ein Beamter, der in London in der Downing Street 10 lebte.

Die alten Verwaltungsinstitutionen gibt es übrigens heute noch unter der Bezeichnung „Landschaften und Landschaftsverbände“.

Heute unterhalten sie jedoch nur noch eine Versicherung, die VGH, und finanzieren verschiedene kulturelle Einrichtungen. Eine richtige Modernisierung der Verwaltung kam erst durch Napoleon zustande, der die ganze Gegend vorübergehend Frankreich zuschlug.

Nach den napoleonischen Kriegen entstand aus dem früheren Kurhannover das Königreich Hannover, das nach Trennung der dynastischen Erblinien nicht mehr von London aus regiert wurde, sondern von einem König im Leineschloss in der Stadt Hannover. Bothel gehörte zum Amt Rotenburg, dem Vorläufer des Landkreises Rotenburg.

Das Königreich wurde allerdings, da es den Krieg 1866 auf Seiten Österreichs gegen Preußen verlor, von Preußen besetzt und unter der Bezeichnung „Provinz Hannover“ annektiert und mit ihm 1871 Teil des Deutschen Reiches.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Preußen durch die Alliierten aufgelöst und das Land Hannover bestand vorübergehend wieder. Schließlich schlossen sich kurz darauf auf britische Initiative die Kleinstaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe dem Land Hannover an, so dass das heutige Bundesland Niedersachsen entstand, zu dem Bothel seither gehört. Bothel gehört zum Landkreis Rotenburg, der vor einigen Jahren um den früheren Kreis Bremervörde vergrößert worden ist. Seit 1971 ist Bothel Sitz einer Samtgemeinde, in der sich mehrere Gemeinden zusammenschlossen, und die 1974 noch um die Gebiete westlich der Bundesstraße 440 erweitert wurde.

Die Geschichte Bothels

Vor Jahren war Bothel ein reines Bauerndorf. Man kann nicht genau sagen, wann dieser Ort eigentlich entstand. Vielleicht wurde er dereinst von ehemaligen Landarbeitern des „Gutes Trochel“ gegründet (Bod = von Gebiet/Herrschaft?). Ursprünglich war das ganze Gebiet um Bothel sehr sumpfig. So sind die beiden kleinen Flüsse, die Rodau (Rodau, weist auf das rötliche eisenhaltige Wasser des Baches hin) und die Wiedau (Wid = Wald) träge und ziemlich saubere Moorbäche. Dazwischen gibt es immer noch zahlreiche kleine Teiche und Fischweiher.

Bis nach dem 2. Weltkrieg wurde in der Gegend auch noch Torf gestochen. Jeder Bauernhof hatte seinen eigenen kleinen Torfstich. Diesen Torf benötigte man anstelle von Holz oder Kohle zum Heizen oder zum Einstreuen in den Ställen (teilweise sogar als sehr saugfähige Unterlage für die Kinderbetten). Einigen Torf wird man auch auf Kähnen über Rodau und Wiedau bis zur Wümme und dann weiter bis nach Bremen geschleppt und dort verkauft haben.

 

Warum hat Bothel keine Kirche?

Früher waren die Straßen und Wege sehr schlecht ausgebaut, so dass die Fuhrwerke oft nur im Sommer oder im Winter, bei hart gefrorenem Boden durchkommen konnten. Oft blieben sie auch im Morast stecken.

Über die Unwegsamkeit der Wege um Bothel gibt es eine nette Geschichte, die nicht unbedingt wahr sein muss. So erzählt man über die Brockeler Kirche, dass diese eigentlich einmal für Bothel bestimmt gewesen sein soll. Allerdings seien die schweren Feldsteine im Herbst angeliefert worden, als die Wege wieder einmal unpassierbar waren. Weil die Fuhrwerke nicht durchkamen, ließen sie ihre Ladung von Felssteinen einfach zwischen Bothel und Brockel liegen. Sie wollten warten, bis die Erde im nächsten Sommer wieder befahrbar wäre. Irgendwann im Winter aber kam Frost auf und da holten sich die Brockeler ganz heimlich die Steine in ihre Gemeinde hinüber. Sie erbauten 1804 die heutige Kirche, nachdem ihre alte Holzkirche, eine ehemals katholische Wallfahrtskirche (bis um 1526 war diese Gegend noch katholisch) wohl zu alt oder sogar abgebrannt war. Es soll wegen dieser Steine eine Menge Streit und Ärger zwischen den beiden Nachbardörfern gegeben haben.

Bothel war, wie alle diese Dörfer im Moor, kein wohlhabender Ort. Der Boden war schlecht und das Klima nicht günstig. Kaum, dass man etwas Gerste oder Roggen anbauen konnte und viel später die Kartoffeln. Neben dem anstrengenden Torfstechen, bei dem vor allem die Männer und Jungen (und nach dem 2. Weltkrieg auch Flüchtlingsfrauen) beschäftigt waren, gab es noch den mühseligen Anbau von Flachs. Die abgeernteten Flachspflanzen mussten, bevor sie zu Leinengarn versponnen werden konnten, erst noch „gebrochen“ werden. Diese Aufgabe hatten die Bäuerinnen und Mädchen zu erledigen. Es gibt noch einige alte Bothelerinnen, die von dieser unangenehmen Arbeit erzählen. Sie sagen, dass die feinen, rauen Fasern überallhin unter die Kleidung gedrungen seien und sehr gejuckt hätten. Wenigstens hatten die Frauen bei diesen Arbeiten im Winter auch Gelegenheit, viel miteinander zu klönen.

Alt-Bothel

Der alte Teil von Bothel war winzig klein. Das ursprüngliche Dorf befand sich etwa zwischen dem heutigen Gasthaus Hellwinkel und der Sparkasse Scheeßel und umfasste gerae die umliegenden Höfe. Gegenüber von Meinkes Hof befand sich eine der drei Dorfschmieden. Man kann das Haus heute nur noch an seinem hohen Schornstein erkennen. Früher wurden dort nicht nur die Hufe der Pferde beschlagen, sondern viele wichtige Landwirtschaftsmaschinen und Gartengeräte repariert. Nur wenige Schritte von der Schmiede entfernt, gleich hinter Scheeles Hof, war die Dorfschule und neben Gasthof Meyer der Kaufladen. Auch eine elektrisch betriebene Mühle gab es in Bothel. Heute ist dort die „Mühlenstuv“ mit Blumen und Geschenkideen nicht zu übersehen. Zu einer Mühle gehörten früher immer auch Fischteiche, denn ein Müller hatte das Recht zu fischen. Daneben gab es einen Dorfweiher, der von der Feuerwehr als Löschteich benutzt wurde. Heute ist der Teich sehr klein geworden. Man kann ihn aber noch hinter dem Garten der Familie Voigt – Neuhaus erkennen.

Bothel bekommt eine Eisenbahnlinie

Bis um die Jahrhundertwende lebten die Einwohner von Bothel noch weitgehend von der Außenwelt abgeschlossen. Was sie zum täglichen Leben benötigten, konnten sie ja im Dorf kaufen. Eine Hebamme half den Bäuerinnen bei den Geburten  und schwerkranke Leute kamen ins Rotenburger Krankenhaus, das anfangs nur wenige Stationen hatte. Auch die Zeitung erhielten die Botheler nicht täglich geliefert. Und wenn sie einmal im Jahr mit der Pferdekutsche nach Rotenburg zum Jahrmarkt fuhren, war dies ein großes Ereignis.

Erst als im Jahr 1905/06 die neue Bahnlinie von Bremerhaven über Bremervörde, Rotenburg, Brockel und damit auch Bothel und Walsrode bis nach Hannover eröffnet wurde, bekam der Ort auch Anschluss an die Welt. Jetzt konnte man in wenigen Stunden in die großen Städte oder ans Meer gelangen. Ja, es war sogar möglich, dass man von Bothel aus über Visselhövede und Uelzen bis nach Berlin fuhr. Allerdings wurde diese neue Verkehrsverbindung selten für große Reisen genutzt. Einige Botheler Männer nahmen diese neue Möglichkeit wahr, um leichter nach Holland zu gelangen. Wo sie sich in den Sommermonaten als Erntehelfer und Mäher verdingten. Die meisten Botheler aber kamen in ihrem ganzen Leben höchstens ein- oder zweimal in die benachbarten Großstädte, nach Hamburg und Bremen. Erst durch die schrecklichen Kriege lernten die jungen Männer auch andere Teile Deutschlands und Europas kennen.

Und die Brockeler Bahnlinie bekam in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges eine traurige Bedeutung, weil dort, vor allem in den Nächten, gefangene Menschen in das KZ nach Bergen-Belsen gebracht wurden. 1958 wurde die Bahnverbindung ganz eingestellt. Heute befindet sich hier ein Fahrradweg bis nach Wittorf.

Kriegerdenkmal

In Bothel steht auch noch ein besonderes Kriegerdenkmal, das  meistens übersehen wird. Dieses Denkmal an der Hauptstraße ist nicht zum Andenken an gefallene Soldaten erbaut worden, sondern aus Dankbarkeit für die glückliche Heimkehr der Botheler Männer aus den Kriegen von 1866 und 1870/71!

blühende Heide

 

 

 

 

 

 

 

J. A.

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