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Der Köhlerbach – Gedicht

Der Köhlerbach

Im dunklen Wald ist er entsprungen,

wo Eisenhämmer einst erklungen,

wo Köhler ihre Meiler feuern –

geduldig die Verbrennung steuern.

Wo Quellen aus dem Boden rinnen,

und Geister ihre Märchen spinnen…

 

Zu Tale sich dann weiter sputen –

des Köhlerbaches klare Fluten.

Bewachsen, tief in seiner Nässe,

von feiner grüner Wasserkresse.

Umgeben von Vergissmeinnicht,

bespiegelt durch das Sonnenlicht.

 

Und mitten in dem Bachgerinnsel

ist zu entdecken eine Insel,

so malerisch, wie ein Idyll,

umschmeichelt von der Wellen Spiel.

 

Doch manchmal wächst der Köhlerbach,

der sonst gewöhnlich klein und flach,

zu einem wilden, braunen See,

genährt durch aufgetauten Schnee,

der vom Gebirge abwärts fließt –

und tosend sich ins Tal ergießt.

 

Dann wird aus diesem sanften Quell

ein ganz gefährlicher Gesell!

Der Brücken, Schuppen mit sich reißt

und Uferböschung um sich schmeißt!

Ja, ganze Stämme abwärts treibt –

und sich selbst Steine einverleibt!

 

Der brausend seine Kraft verkündet –

und in die breite Merta mündet.

Doch bald, im fortgeschrittnen Jahr,

wird er auch wieder hell und klar.

 

Am Ufer steht Franziska Lang,

die noch im letzten Sommer krank,

und gießt mit einem Gartenschlauch –

Tomaten, Zwiebeln und den Lauch.

J. A.

Springkraut

Anmerkung: der Köhlerbach fließt durch Zöptau – Sobotin, am Fuße des Altvatergebirges. Tschechisch heißt er jetzt „Klepácovsky potok“ (mit Akzenten), das  bedeutet soviel wie „klatschender oder plätschernder Bach“.

Die Merta enspringt bei Wermsdorf und gibt der Gegend als „Mertatal“ ihren Namen. Die Merta mündet in die „Teß“ (Desná).

3 Kommentare

  1. Ja, so ist das. Gefällt mir gut.

  2. Zu diesem Gedicht fallen mir noch zwei Gedichte von Goethe ein. „Du Bächlein, silberhell und klar…“ und „An den Mond“… „Fließe, fließe, lieber Fluss, nimmer werd ich froh…“
    Bäche und Flüsse wurden immer schon gerne mit dem Lauf des Lebens verglichen.

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