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Blumen blüh’n an Fensterscheiben – Erinnerungen

Winterlied

A – a – a – der Winter, der ist da.

Blumen blüh’n an Fensterscheiben,

sind sonst nirgends aufzutreiben.

A- a – a – der Winter, der ist da.

Wenn wir morgens aufwachten, drang das frühe Licht oft nur gedämpft durch die dicken Blättermuster der vereisten Fenster. Im Bett war es noch warm unter der dicken Federdecke. Nur ganz oben, auf dem Plumeau, hatten sich durch die Atemluft kleine Eiskristalle gebildet.

In der Küche hörte man die Mutter mit den Töpfen klappern. Sogar in der Früh summte sie dabei irgendwelche Melodien, die ihr gerade einfielen. Längst hatte sie auch den Herd angeheizt. Zuerst mit schmalen Spänen und trockenen Fichtenzapfen. Dann prasselte das Feuer an den dicken Holzscheiten und ein angenehmer Geruch nach Holzfeuer wehte durch die offene Tür, gefolgt von dem Aroma frischen Malzkaffees.

Unsere Morgentoilette fiel in diesen kalten Wintertagen spärlich aus. Richtig gewaschen wurde erst am Abend und am Wochenende in der Badewanne.

Das Haus im Rehsteig 1

In unserer Schule gab es schon warme Klassenräume. Vermutlich kam die Wärme über eine zentrale Kohleheizung. Ich erinnere mich an den Geruch von angetauten Kinderjacken, Winterstiefeln, Bohnerwachs – sowie den bitteren Hauch von Kohle aus dem Keller.

In der evangelischen Schule, heizte man noch das einzige Klassenzimmer über einen Kachelofen. Dort mussten die Schüler, wie erzählt wird, zwei Briketts zum Unterricht mitbringen.

Aber zurück in unsere erste Zeit im Westen.

Am Nachmittag wurde die Wohnung endlich gemütlich warm. Über dem Ofen hingen unsere Kleider zum Trocknen. Am Tisch, nebenan, machten wir die Hausaufgaben. Zum Spielen rannte man entweder in den Wald oder zog seinen Schlitten in die verschneite Kiesgrube, die in diesen Tagen zum Winterparadies wurde.

Unsere Schlafstuben blieben jedoch kalt. Meine Oma hatte die Idee, heiße Ziegelsteine in ein Handtuch gewickelt, in die frostigen Betten zu legen. So konnten wir die Füße daran wärmen und gut einschlafen.

Ähnlich kalt waren später auch die Räume der großen Wohnung am Gutshof.

Nur im Wohnzimmer genoss man die wohlige Wärme eines eisernen Sägemehlofens. Dieser Ofen verbreitete eine angenehme Atmosphäre – und erwärmte durch sein langes Rohr sogar den Flur.

Unser Sägemehlofen hatte eine Zylinderform in die ein kleinerer Zylinder eingelegt wurde. Den füllte man, indem man zwei Rundhölzer für den Abzug einführte und das Holzmehl darum feststampfte. Der Ofen wurde dann von unten her angezündet. Er glühte etwa einen Tag und eine halbe Nacht lang mit leisem Knistern und Knacken. Im Dunklen konnte man die züngelnden Flammen an der Zimmerdecke, wie eine geheimnisvolle Schrift sich abzeichnen sehen.

Nur das warme Wasser kam aus einem Gasboiler in der Küche.

Als ich etwa 15 Jahre alt war, zogen wir in das neu erbaute Haus in der Forststraße ein.

Dort hatte unser Vater einen Warmluftofen einbauen lassen, der mit Holz oder mit Kohle gespeist wurde. Auch dieser Ofen verbreitete viele Jahre lang eine behagliche Wärme.

Das Badewasser bekamen wir aus einem Gas -Durchlauferhitzer.

Später bauten wir dann auch noch eine zentrale Gasheizung in das Haus ein.

Eisblumen wachsen heute nicht mehr an Fensterscheiben…

J. A.

In unserer Gautinger Schule war es 1951 gemütlich warm!

P. S. Ich wurde gefragt, warum ich mich ausgerechnet an diesen heißen Tagen an  Heizungen erinnere? Einfach, weil ich sehe, wie die Leute jetzt schon für den kommenden Winter  Brennholz stapeln.

1 Kommentar

  1. In diesen heißen Sommertagen schon an den kommenden Winter zu denken und zu planen, wäre nicht dumm!

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