Oder – zwei alte Schulfreunde

In eines ICEs – Abteil

von München bis nach Bremen,

fuhr- statt im Auto – ich per Rail –

die Fahrt bequem zu nehmen.

Da saß ein graumelierter Herr

und las gemütlich Zeitung.

Ein zweiter schaute plötzlich sehr

erstaunt auf die Begleitung.

Mein Lieber, kennen wir uns nicht?

Sind Sie nicht Müllers Lasse?

Natürlich ist das sein Gesicht!

Aus meiner Abi-Klasse!

Ja, Claus! Erzähl, wo du gesteckt

in all den vielen Jahren!

Was du im Leben ausgeheckt?

Bist gut damit gefahren?

 

Ach nein, fing der zu jammern an.

Mir ist ja nichts gelungen!

Was ich erträumt, ist irgendwann

verloren und verklungen.

Hab bald das Studium verlassen,

begab mich dann zur Bundeswehr.

Auch diese wollte mir nicht passen,

so ging ich in die Gärtner-Lehr…

Bin heute Rentner und geschieden

und freu mich an zwei Enkel-Jungen.

Ansonsten ist nicht viel geblieben,

die großen Pläne sind mißlungen.

 

Zu reden fängt der andre an. –

Er schildert auch sein Leben.

Auch hier hing nicht nur Glück daran;

ein Nehmen und ein Geben.

Doch meinte dieser, ziemlich weise,

dass, was ihm widerfuhr,

ganz unverzichtbar sei – und leise

geformt hätt‘ seines Lebens Uhr.

J. A.

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